Die Entwicklung der Simultanerfassung bei Rechenschwäche

Fischer B, Schäfer J

die AKZENTE, Zeitschrift des AÜK, Heft 57, Seiten 50-52 (2002)

 

Zusammenfassung:

Unter Simultanerfassung versteht man die rasche, nicht-zählende Anzahlerfassung von bis zu 4 Elementen mit einem Blick. Viele Kinder machen bereits vor Schuleintritt von sich aus Gebrauch von dieser Fähigkeit, indem sie kleine Anzahlen (Mengen bis 10) in simultan erfassbare Gruppierungen zerlegen. Sie sehen dann beispielsweise die Sechs als Doppeldrei bzw. als Vier und Zwei , usw.. Damit ist ein wesentlicher Baustein zur Erlangung eines integrierten Zahlkonzeptes gelegt, das darin besteht, Quantitäten als aus Teilen zusammengesetzte Ganzheiten zu erfassen (Teile-Ganzes-Konzept).

Pädagogen berichten allerdings immer wieder, dass manche Kinder im Anfangsunterricht noch nicht ausreichend über diese Fähigkeit verfügen. Zwar kennen sie möglicherweise die Ziffern und Namen dieser Zahlen, aber sie haben unklare Vorstellungen über die damit verbundenen Mengen.

Die vorliegende Arbeit berichtet über einen neuen Test der visuellen Simultanerfassung und seine Anwendung bei rechenschwachen Kindern im Alter von 7 bis 17 Jahren. Es zeigt sich, dass der Prozess des visuellen "Zählen" bei Rechenschwäche insgesamt langsamer abläuft und häufiger zu falschen Ergebnissen führt als bei gleichaltrigen Kontrollkindern. Auch bei Darbietung von nur 1 bis 3 Reizen kommt es bei den rechenschwachen Kindern zu mehr Fehlern und längeren Antwortzeiten.

Die Quote der auffälligen unter den rechenschwachen Kindern, die die Altersnorm um mindestens eine Standardabweichung verfehlen, beträgt etwa 66%.


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